: Pflaumenkuchen, mehr Bildung auf der Entbindungsstation und der Ku-Klux-Klan :


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"Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse"
Zu viel der Ehre für Günther Jauch und die Kanzlerin

Vom Gipfel herab
Abfütterung der Pressemeuten

Wiso staatstragend
Die ganz normale öffentlich-rechtliche Volksverdummung

Jetzt aber mal arisch
Ganz kleines “kleines Fernsehspiel”

An einem Tag wie immer
Außer Reden nichts gewesen


18. Dez. 2015 "Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse"
Zu viel der Ehre für Günther Jauch und die Kanzlerin

von Walter Budziak

„Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse“ lärmen die Horden, Nazigegröle dumpf wiederholend, bei Pegida-Demonstrationen und sonstigen wirren Polit-Kundgebungen. Gemeint sind Reporter von Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen, die Parolen und Abläufe dumpfbackiger Krakelereien vermeintlich bewusst verfälschten, um zu verhindern, dass eine vermeintlich wahre Lehre und einzig wahre Problemlösungsstrategie verbreitet wird. Und zwar über die Kreise der ohnehin vermeintlich Bescheidwissenden hinaus verbreitet wird. Was übrigens weit über die inhaltliche Bedeutsamkeit hinaus geschieht, allerdings nicht der Wahrheit sondern der Auflage und der Einschaltquote wegen.

Der Begriff beschreibt die Pressewirklichkeit falsch. Sie ist viel deprimierender. Lügen wäre vielleicht noch charaktervoll, standhaft, ehrenhaft. Lügen hieße aber, man wüsste es besser, sage oder schriebe es aber nicht. Die Presse aber weiß nichts besser. Die Presse will auch nichts besser oder genauer wissen. Also kann sie auch nicht lügen. Wenn sie schleimend und buckelnd die Phrasen nachplappert, die ihr die Wichtigen und Mächtigen in die Notizblöcke und Mikrofone diktieren. Die Presse will mitspielen, mitgewinnen, mitfeiern, wenn die Regierungskabinette, die Europaräte, die Klimagipfel, die Weltspitzen sich protzig vor Sandburgen interviewen und ablichten lassen, die Wähler, Steuerzahler und ehrenamtliche gemeine Bürger mit ihren Schüppchen aufgeschüppt haben. Eine Welle, die Sandburg ist weg, wandern die Regierungskabinette, die Europaräte, die Klimagipfel, die Weltspitzen mitsamt ihren Presselakeien weiter, und lassen sich vor der nächsten Sandburg in Lissabon, Katar, Kapstatt oder Singapur interviewen und ablichten, die Wähler, Steuerzahler und ehrenamtliche gemeine Bürger mit ihren Schüppchen aufgeschüppt haben.

Die Presse ist ihrer Natur nach Sprachrohr. Sie will nichts, was ihre Zuflüsterer und ihre Leser, Zuhörer, Zuschauer nicht auch wollen. Wertfreie, unabhängige, aufklärende Information ist ein pränatales Hirngespinst. Die Presse presst zusammen, in Schlagzeilen, in Leitartikeln, in Sonderseiten, in Brennpunkten, was ihr Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Anerkennung und, vor allem, wirtschaftlichen, marktkonformen Gewinn verspricht. Stunden-, tage-, wochenlang. Endlos. Auch wenn es gar nichts zu pressen gibt. Weil es nichts Neues zu berichten gibt. Weil die, die etwas wissen, nichts sagen. Im Namen der Presse stehen selbstverliebte Reporter, Moderatoren, Chefredakteure, Intendanten, Finanzinvestoren. Die wollen Cash, in Form von Gehalt, gesellschaftlicher Wichtigkeit, Rendite. Und Talkshowpräsenz. Die sie natürlich selbst bestimmen, weil die selbstverliebten Moderatoren auch gern Chefredakteure, Intendanten, Finanzinvestoren wären.

Entlarvendstes, beschämendstes Beispiel: die ARD-Abschlussrunde am 29. November 2015 bei, mit Günther Jauch. Runde? Die Bundeskanzlerin gibt sich talkselig die Ehre. Allein. Grundbedingung, sonst kommt sie nicht. Ohne lästige, wohlmöglich kompetentere, wissendere Gesprächsteilnehmer. Die hätten hinterfragen, richtigstellen, widersprechen können. Und Günther Jauch? Akzeptiert. Höflich, beflissen, sich dümmer stellend, als er seiner Biographie nach eigentlich sein dürfte. Öffentlich rechtlich, per Rundfunkzwangsabgabe finanziert.

Jauch lügt nicht. Er kann gar nicht lügen. Er will gar nichts wissen, was über das hinausgeht, das sowieso jeder weiß, was über das hinausgeht, das ihm die Kanzlerin ins Mikrofon säuselt. Als hätte die Kanzlerin nicht schon einen hochdotierten Pressestab, ebenfalls steuerfinanziert übrigens, der nichts anderes treibt, als die Kanzlerin in ein wiederwahlversprechendes Licht zu manipulieren. Eigentlich bräuchte sie Jauch nicht. Aber er bietet ihr eine zusätzliche Bühne, weil er sie braucht, weil er mitglänzen will, weil er etwas abbekommen will vom Medienschein einer scheinbar Mächtigen. Bevor er diese TV-Bühne verlässt. Hoffentlich für immer. Fehlen wird er einem kritischen Journalismus jedenfalls nicht.

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8. Juni 2015 Vom Gipfel herab
Abfütterung der Pressemeuten

von Walter Budziak

Heute endet er, der Zirkus der obersten Marionetten der sieben selbsternannten wichtigsten Industrienationen. Hochsicher abgeschottet von allem, was mit den Sorgen, Nöten, Ängsten, Gefahren in den Niederungen dieser Welt zu tun hat, aufgeführt vor einer Märchenschlosskulisse, gigantischer Protz, jahrelang wahnhaft aufgemotzt, dabei im Inhalt so billig wie in der Verpackung lächerlich. Höhepunkt dieser politpupertären Angeberei: neben der deutschen Dauerkanzlerin Angela (Angie) Merkel der US-Präsident Barack Obama, hemdsärmelig inmitten lederbehoster bajuwarischer Folklorestatisten, in der Hand ein Weissbier, alkoholfrei, wie Thomas Schwarzenberger (CSU), Bürgermeister des auserwählten Gipfelaußenpostens Krün, beflissen klarstellt.

Angereist waren die selbstgefälligen Politpromis mit Beraterbataillonen im Schlepptau, je weniger einer zu sagen und zu bewirken hat, desto mehr Stiefellecker brachte er mit. Angie Merkel war natürlich, Heimspiel, allen klar überlegen. Sie hatte gleich ihr ganzes Volk in Reserve. Damit konnte Barack Obama nicht aufwarten, brachte aber immerhin eine tausenköpfige Delegation in Kommuniquéstellung.

Nicht einmal 48 Stunden hat das Spektakel gedauert. Selbst wenn außer den sieben Gipfeldarstellern jeweils nur fünf Hundertschaften mit angeschleppt wurden, wie sollten all diese Menschen in dieser Zeit irgend etwas Schlaues, Richtiges, gar Mutiges miteinander erörtern, abwägen, entscheiden, beschließen? Gemeinsam? Konstruktiv und vorausschauend? Wegweisend? Ganz abgesehen von der Zeit, die draufging für Interviews, Fototermine und sonstige selbstgefällige Blasiertheiten. Und, von der Deutschen Presse-Agentur ausgeplaudert und noch nicht mitgerechnet, das fünfsternig kredenzte Carpaccio vom Seeteufel und Wildlachs oder der Karwendel-Rehrücken mit Rotkohl wollte vor dem suitensanften Einschlafen auch noch verspeist werden.

Drei Eissporthallen waren für die Gipfelmedien hergerichtet worden mit 6000 Quadratmetern Teppichboden, 180 Kilometern Kabel für Strom, Medientechnik, Klima und Telekommunikation. Allein 60 Tonnen wog die Klimatechnik für Heizung oder Kühlung, je nach Wetterlage, hatte die Deutsche Welle (DW) berichtet. Zum Bühnenort gelangte sowieso nur, wer sich monatelang vorher beworben hatte und die strengsten Sicherheitskriterien erfüllte. “Der Rest der insgesamt 3000 für den G7-Gipfel akkreditierten Journalisten bleibt im Pressezentrum in Garmisch auf rund 2000 Stühlen und an 1400 Tischen in verschiedenen Größen sitzen und verfolgt das Gipfelgeschehen auf dem G7-Fernsehkanal, der alle offiziellen Bilder, Statements und Pressekonferenzen überträgt”, so viel von der DW dazu, wie Medienmeuten heutzutage gipfelklimagerecht abgefüttert werden.

Ob die Gipfelsause jetzt 130 Mio. Euro oder 300 Mio. Euro gekostet hat, wenn interessiert das noch? Außer vielleicht die Krankenschwester, die Nachtschichten schieben muss, damit von ihrem Gehalt nach Abzug der Steuern genug übrig bleibt, um einmal im Jahr zwei Wochen Campingurlaub an der Möhnetalsperre machen zu können. Die nächste Gipfelfahne ragt noch höher, noch teurer, noch sinnfreier in den blankgeputzten Theaterhimmel. 400 Mio. Euro, 500 Mio. Euro, irgendwann gipfeln die sieben kleinen Herrscherlein auf dem Mond, um sich ihr undankbares steuererbsenzählendes Wahlvolk vom Hals zu halten. Oder aber, die Gipfelrunde ruft, und keiner der 3000 Journalisten auf 2000 Stühlen an 1400 Tischen geht mehr hin. Vor leeren Medienrängen würde die Vorstellung sofort abgesetzt. Sie käme gar nicht erst in Betracht.

Ein Sieg des aufrechten, kritischen Journalismus über die höfische Ignoranz postdemokratischer Möchtegernfeudalisten. Wenigstens das Träumen sollte man sich noch gönnen.

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13. Mai 2014 Wiso staatstragend
Die ganz normale öffentlich-rechtliche Volksverdummung

von Walter Budziak

Staatsfernsehen. Plumpeste Propaganda. Was da gestern, Montag, 12. Mai, vorabends als ZDF-Wiso verbreitet wurde, spricht auch einem vorsichtig unterstellten Restanspruch an journalistischer Redlichkeit in sogenannten öffentlich-rechtlichen Medien Hohn.

Da wurde allen Ernstes der Fall durchgespielt, in einer journalistischen Sendung und nicht etwa beim kleinen Fernsehspiel, im deutschen Bundestag würde am nächsten Tag über einen Verbleib Deutschlands in der Euro-Zone abgestimmt, mit unterstellten Vorzeichen, dass eine Mehrheit dagegen, also für einen Ausstieg stimmen würde. Diese und die vermeintlichen Folgen, illustriert mit real existierenden, teils professoralen Experten, auf namentliche Aufzählung wird bewusst verzichtet, verschiedenster ebenfalls real existierender Institute in Interviews, gern immer wieder unterbrochen mit eingespielten, simuliert dokumentarischen Hintergrundinformationen. Ganz vorne dabei: der ZDF-EU-Neunmalklug Udo van Kampen, der Name ist Programm, der sich auch für keine Peinlichkeit zu schade ist, Stellung zu nehmen zu Themen, von denen er erwiesenermaßen keine Ahnung hat.

Vermeintliche, schon gedruckte D-Mark-Scheine im zig-Billionenwert, Geldwertverlust, Kaufkraftverlust, Massenarbeitslosigkeit, vernichtete Sparguthaben, Rekordeinbrüche bei den Exporten, das Machwerk, begleitend nicht als Simulation kenntlich gemacht wohlgemerkt, gipfelte in dem kruden Horrorszenario, alle Rentner müssten den Verlust von bis zu einem Drittel ihrer Rente befürchten. Widerliche Stimmungs- und Panikmache, der auch noch Exbundesminister Norbert Blüm seinen Senf beisteuerte.

Die Interessen, die hinter diesem Pfusch stecken, sind leicht auszumachen: Europawahlschleim am 25. Mai 2014, alle, die von diesem EU-Moloch profitieren, die Bundestagsparteien voran, die ihre an fachlicher Kompetenz gescheiterten Genossen irgendwie mit gut dotierten Posten einseifen müssen. Damit sie nicht noch mehr dummes Zeug verzapfen und möglicherweise brisante Details aus dem politischen Berliner und sonstigen Ascherjedentag ausplaudern.

Kenntlich gemacht wurde der Fake zu Beginn und nach dem Abspann, gezielt zeitlich verzögert und visuell abgesetzt. Fake-Hinweise zwischendurch: keine. Das ganze vor dem Hintergrund, dass nunmehr jeder Haushalt, mit oder ohne Glotze, für eine solche hinterhältige Propaganda zwangsberappen muss. Monatlich. Staatlich aufgebrummt, demokratisch verbrämt. Gegen welchen Polit-Oberkasper wurde noch kein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren eingeleitet? Und kryptisch wieder eingestellt? Mediale Nachfragen, die bloßstellten, überführten, offenlegten? Zu heikel. Die Einladung zum nächsten Presseball beim Bundespräsidenten müsste bald wieder auf dem Schreibtisch liegen.

Und das Volk? Irgendein Anspruch an journalistische Kompetenz, jounalistisches Niveau, Kultur, Idealismus, Gestaltungswille? Der Mob kriecht sich selbst in den Arsch. Zugedröhnt mit Hartz-IV. Der nächste, der öffentlich über russische oder chinesische Medien salbungsvoll den Stab bricht, sollte verdonnert werden zu 20 Stunden Pflichtglotzen deutscher Propaganda-Magazine. Wöchtlich. Für den Rest seines Lebens. Wie tief ist der mediale Anspruch der Allgemeinheit auch hierzulande gesunken? Bodenlos. Gefährlich!

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6. Mai 2014 Jetzt aber mal arisch
Ganz kleines “kleines Fernsehspiel”

von Walter Budziak

Anstrengend, über diese 90 Fernsehminuten vor dem Bildschirm zu harren. Trotz Interesse an dem spannenden Thema. Was Mo Asumang, Autorin und Regisseurin mit sichtbar afrikanischen Wurzeln, gestern zu Mitternacht im ZDF vorstellte, glich phasenweise mehr einer billigen Doku-Soap denn einer soliden Bestandsaufnahme nach den Regeln seriöser journalistischer Arbeit. Zu kurz gesprungen.

Der krampfhaft bemühte Anspruch, den Begriff "Arier" und "arisch" historisch zu ergründen und die gegenwärtig damit verknüpften Ansichten und gelebten Denkmuster zu dokumentieren, wurde dem Film schon nach wenigen Minuten zu viel. So lobenswert und mutig das Ansinnen auch anmutet, als dunkelhäutige Reporterin die Konfrontation mit rassistisch genordeten Dumpfbacken zu suchen, so kläglich scheiterte das Gezeigte an den Standards einer handwerklich soliden journalistischen Umsetzung. Was allein nicht beklagenswert wäre. Aber auch eine denkbare persönliche Befindlichkeitsbeschreibung der Autorin lief schief.

Die Antworten auf Fragen an zufällig oder gezielt ausgewählten Personen, die der ZDF-Clown Alfons nicht naiver hätte stellen können, lieferten keinerlei Erkenntnisse, die über das Erwartbare hinausreichten. Platte Beliebigstatements statt einer ernsthaften neugierigen Spurensuche nach den thematischen Begrifflichkeiten und einer Auseinandersetzung mit einem möglicherweise erklärenden aktuellen gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Diskurs.

Und primitivste Effekthaschereien. Die üblichen Naziglatzköpfe natürlich und, ganz billig, weißgewandete Ku-Klux-Klan-Figuren im Wald. Vermummt. Bei Nacht. Echt oder gestellt, wer weiß das schon? Gefilmt wo und wann auch immer. Vielleicht im Harz? Kurz vor dem Hexensprung? Ein lächerliches Bild, die schüchterne Dunkelhäutige, hellblaues Mädchenkleidchen, Handtäschchenriemchen über der Schulter, so gekünzelt gestellt neben dem Ku-Klux-Klan-Monster. Finsternisdramaturgie pur. Hallo Leute, ich trau mich was. Kommt das auch richtig rüber? Jedem geschenkt, der sich für so etwas nicht zu schade ist. Zwischendurch, gefühlt die Hälfte der Sendezeit, die Autorin ganz höchstselbst im Bild, nah, hautporennah, weinerlich, wehleidig, betroffen, fast heiligklug. Dabei nicht mal wirklich gut aussehend, aber wenigstens dafür kann sie nichts.

Was gänzlich fehlte: ein irgendwie artikulierter Bezug, eine Reflexion gegenüber allem wirklich Beherrschenden. Fragen zu aktuellen, möglicherweise viel subtileren und daher gefährlicheren politischen und medialen Praktiken, Floskeln, Parolen, Phrasen. Kapitaldiktatoren, menschenverachtende Profitsucht, willfährige Politmarionetten. Mit manipulativer, betäubender Rhetorik. Brachialer Nationalismus mit Ariergetöse war gestern, Erdausbeutung gepaart mit geldgeilem Gigantismus, lieblich gesäuselt und verbal geschickt verbrämt, ist heute.

Nicht arisch verwirrte und verirrte Witzgestalten bedrohen das Gemeinwesen. Nicht mal Mo Asumang, wie man sehen konnte. Skrupellose Kapitalisten, zügelloser Herrschwahn, Korruption, mafiöse Schattendiktaturen sägen an den Säulen einer hierzulande kalkulierterweise noch erträglichen Gesellschaft. Doch darüber von Mo Asumang kein Bild. Nicht mal ein Wort.

Wieviel kosten 90 Sendeminuten den Gebührenzahler? Man will es gar nicht wissen.

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20. Sep. 2013 An einem Tag wie immer
Außer Reden nichts gewesen

von Walter Budziak

Eine beliebige Zeitung, eine beliebige Nachrichten- oder Magazinsendung in Radio oder Fernsehen, an einem beliebigen Tag, die Inhalte sind immer die gleichen. Na ja, fast immer. Tage mit Ereignissen wie der Einsturz des World Trade Centers, der Tsunami im Indischen Ozean am 26.12.2004 mit mindestens 231000 Opfern oder die Fukushima-Katastrophe am 11.3.2011 zählen in diesem Zusammenhang nicht.

Ansonsten aber mediendeckend gleiche Inhalte. Nicht im wortwörtlichen Sinn und auch nicht thematisch, aber strukturell, konzeptionell, traditionell. Vier von fünf Meldungen, Berichten, Analysen, Kommentaren basieren auf Satzfetzen, die irgend jemand verlautbart hat. Ob Politiker, Verbandsvertreter, Funktionäre von DGB bis BDI, Kirchenfürsten, Sportler allgemein, Fußballer besonders, bis runter in die 2. Liga, mindestens, Vorstände sämtlicher Dax-Unternehmen und abwärts, Schauspieler nicht zu vergessen, die haben zu allem und jedem etwas zu sagen, nicht zuletzt Wissenschaftler, die gern auch mal überraschend festgestellt haben, dass Rauchen nicht unbedingt schlank macht, Computerspiele nicht vor Bewegungsmangel schützen und zu viel Sex auch keine Lösung ist.

Leiter von Instituten wie DIW, IfW oder IFO kommen positiver weg, sie geben, ebenso wie Direktoren großer Organisationen wie IWF oder OECD, meist wenigstens die Ergebnisse aktueller Studien kund. Vertreter der eigenen Zunft, Literaten, Literaturkritiker, Publizisten, Moderatoren, werden dagegen auch gern als Stichwortgeber herangezerrt. Weil sie am liebsten Pflaumenkuchen essen, sich für mehr Bildung schon auf der Entbindungsstation einsetzen, manche Partys entsetzlich langweilig finden und überhaupt viel spazieren gehen, vor allem wenn sie nicht arbeiten.

Im Grunde kommen regelmäßig all die in Zeitung, Radio und Fernsehen als Nachricht oder Thema zu Wort, die auch regelmäßig jeden Abend in einer Fernsehtalkshow sitzen, einige gefühlt in mindesten drei gleichzeitig. Interviews sind allgemein sehr beliebt. Sie kosten wenig, schmeicheln der Eitelkeit, des Interviewten und des Interviewers, und sie füllen Seiten respektive Sendezeit. Wie haben Sie Ihre Äußerung denn nun gemeint? Wie erklären Sie sich die heftigen Reaktionen auf Ihre Rede? Können Sie nachvollziehen, warum Herr, Frau soundso dies oder das behauptet? Warum haben Sie Ihre Meinung geändert, obwohl Sie vor einer Woche noch das Gegenteil verteidigt haben? Wenn Sie heute so sagen, wissen Sie noch, was Sie vorgestern gesagt haben, obwohl Sie bis dahin immer gesagt haben, dass Sie zu dem Thema nichts sagen wollten?

Informieren, Berichten, Analysieren von Fakten, Ereignissen, Beschlüssen liegt offenbar immer weniger im Medientrend. Was daran liegen könnte, dass entgegen der Erkenntnis Jürgen von Mangers doch zu wenig passiert, um die Seiten damit voll zu kriegen. Naheliegender ist jedoch die Vermutung, dass Fakten, Ereignisse oder Entscheidungen nicht so sexy rüberkommen wie flotte Sprüche, Warnungen, Androhungen (Rücktritt!) oder kernige, sinnfreie Thesen der mächtigen und schönen A- und B-Promis. Wobei der meiste Schwachsinn allerdings sehr wohl mit Bedacht gesetzt wurde, von Stäben taffer PR-Strategen punktgenau inszeniert. Was aber keine Medienmeute davon abhält, sich draufzustürzen und an der Nase herumführen zu lassen. Wie hätte es sonst passieren können, dass der Wegfall der Ausbildungszeiten bei der Rentenberechnung ab 2005, eine gigantische Rentenkürzung und eigentlich mediales Aufregerthema Nr. 1, in den Medien fast keine Rolle spielte? Die weinerlichen Trinkgewohnheiten eines Peer Steinbrück dagegen, derzeit Kanzlerkandidat der SPD, besamen die Medienlandschaft monatelang. Wen wundert’s? Der abgetauchte Kaiman Sammy im Baggersee bei Dormagen hatte es im Sommer 1994 zum Aufmacher in den Tagesthemen geschafft.

Wirtschaftlichkeit, Rentabilität, die Keulen der Mittelmäßigkeit und Antriebslosigkeit gegen Biss und Qualitätsanspruch. Es ist natürlich billiger, und schneller, sensationell wichtigen Sprechblasen hinterherzuschleimen als komplizierte Zusammenhänge von Ursache, Entstehung, Auswirkung von Entscheidungen zu recherchieren. Und verständlich zu vermitteln. Aus Sicht der Verleger und Intendanten. Und karrierefördernd aus Sicht der sensationell aktuellen Schreibblöcke und Mikrofone. Wer ist dichter dran, wer kommt schneller durch, wer hat als erster die Stellungnahme der Bundeskanzlerin, des Bundespräsidenten oder gar die Meinung des dreifachen Weltmeisters, auf die alle mit Spannung gewartet haben? Mitglänzen im Glanz der Wichtigen und Prächtigen.

Zeitungskrise, Medienkrise, Leser-, Hörer-, Zuschauerkrise. “Merkwürdig, dass jeden Tag genau so viel passiert, dass die Zeitung davon voll wird” (Jürgen von Manger). Muss aber nicht. Den Rest schafft Gerede.

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